Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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DBH-Materialien Nr.75
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Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Gefängnis – Ein Ort der Radikalisierung und Rekrutierung?

Werden Inhaftierte von den Ideologien überzeugter Islamisten radikalisiert? Werden diese für die Terrormiliz Islamischer Staat rekrutiert? Prominentes Beispiel ist der Berliner Attentäter Anis Amri, der sich wohl während der Haft in Italien radikalisiert haben soll. Die Ergebnisse des ICSR-Berichts und der Studie des IRKS geben erste, wenn auch unterschiedliche Antworten darauf.

Die Forscher am „International Centre for the Study of Radicalisation“ (ICSR) des Londoner King’s College haben im Rahmen ihrer Studie die Biografien von 79 Dschihadisten aus Belgien, Großbritannien, Dänemark, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden untersucht. Heraus kam, dass 57 Prozent vor ihrer Radikalisierung bereits inhaftiert waren und sich mindestens 27 Prozent im Gefängnis radikalisierten. Der Radikalisierungsprozess setzte sich nach der Entlassung fort.

Empfehlungen der Studie zur Prävention:
• Ganzheitlicher Ansatz zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung über das Bankensystem hinaus: insbesondere auch Klein- und Kleinstverbrechen, Drogenhandel, Diebstahl, Raub und den Handel mit gefälschter Ware
• Verbesserter Datenaustausch zwischen den relevanten Institutionen, die im Bereich der Strafverfolgung und Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus tätig sind
• Aufbau und Ausbau von Netzwerken mit der Zivilgesellschaft und lokalen Einrichtungen

Nach den Ergebnissen der Studie des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) aus Wien, die mehr als 100 Personen interviewten, darunter 39 Jihadisten, haben sich die meisten „nicht im Gefängnis radikalisiert“. In Österreich Derzeit sind 68 Menschen wegen Mitgliedschaft in oder Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in Haft. Nach den Autoren der Studie sind relativ gut funktionierende Maßnahmen insbesondere Anti-Gewalt-Training, die Vermittlung politischer Bildung und Interventionsgespräche durch Experten des Vereins „Derad“ – bei marginalisierten Jugendlichen. Einzelhaft sehen die Studienautoren kritisch. Sie soll die Radikalisierung von Mithäftlingen verhindern, könnte aber eine weitere Radikalisierung bewirken. Maßnahmen zur Deradikalisierung sollten nach Ansicht der Experten am besten mit Antritt der U-Haft beginnen.

PRI (Penal Reform International) organisierte im Dezember 2015 einen internationalen Austausch zur Vorbeugung und Verhinderung von Radikalisierung in Gefängnissen. Der veröffentliche Bericht enthält die diskutierten Themen wie Faktoren der Radikalisierung, die Entwicklung eines Klassifikations- und Risikobewertungssystem, die Bedeutung von Frauen und Kinder im Radikalisierungsprozess und die Rolle der Gefängnisangestellten.

PRI-Bericht

ICSR-Bericht

IRKS-Bericht

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