Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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40 Jahre Führungsaufsicht

DBH-Materialien Nr.75
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Veranstaltungen 2017

Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Neue Auswertung von Radikalisierungsverläufen durch deutsche Sicherheitsbehörden

Mit der im Dezember 2016 von deutschen Sicherheitsbehörden veröffentlichten Fortschreibung wurden insbesondere Faktoren von bundesweit 784 bekannten Fällen von „islamistisch motivierten“ Ausreisen aus Deutschland in Richtung Syrien und Irak untersucht, welche die Radikalisierung beeinflussten und schließlich zur Ausreise führten.

    Kernergebnisse der 2. Fortschreibung:
  • reisten Anfang 2014 noch fast 100 Personen pro Monat aus, sind zwischen Juli 2015 und Juni 2016 durchschnittlich weniger als fünf Ausreisen pro Monat registriert worden

  • die Herausgeber der Studie bewerten die Wahrscheinlichkeit einer erneuten massiven Ausreisebewegung als sehr gering ein

  • eine Entwarnung trotz Rückgang jihadistisch motivierter Ausreisen sehen die Herausgeber nicht, da ein Großteil der Ausgereisten wieder nach Deutschland zurückkehren wird; hinzukommt die potentielle Bedrohung durch eine schwer einzuschätzende Zahl von in Deutschland gebliebenen radikalisierten bzw. sich radikalisierenden Personen

  • ca. 96% aller Ausgereister werden dem salafistischen Spektrum zugeordnet

  • ausschlaggebend für die Radikalisierung war die Anbindung an bekannte (lokale) salafistische Persönlichkeiten

  • vier von fünf Ausgereisten weisen einen Migrationshintergrund auf (81%); signifikante Unterschiede zwischen den Personengruppen mit und ohne Migrationshintergrund hinsichtlich der Ausreisemotivation konnten nicht festgestellt werden

  • das Durchschnittsalter lag 2016 bei 23,5 Jahren

  • der Anteil von Minderjährigen ist ggü. den Vorjahren gestiegen und lag 2016 bei 16% aller ausgereisten Personen

  • die Radikalisierungsprozesse der im Betrachtungszeitraum betrachteten Ausgereisten erfolgten ggü. den Vorjahren stärker im salafistischen Szeneumfeld

  • in Vergleich zu den Vorjahren wurde die Radikalisierung häufiger im sozialen Umfeld erkannt (in 53% der registrierten Fälle)

  • Radikalisierung findet überwiegend im realen sozialen Umfeld statt (direkter Kontakt), dennoch spielt das Internet eine wichtige Rolle im Radikalisierungsgeschehen

  • Radikalisierungsprozesse von Frauen und Männern sind unterschiedlich, entsprechend sind genderspezifische Präventionsangebote erforderlich

  • Personen, die vor ihrer Abreise schon stärker in salafistischen Aktivitäten und Netzwerken eingebunden waren, engagieren sich nach ihrer Rückreise ebenfalls stärker in jihadistischen Gruppen


  • Die Herausgeber empfehlen, repressive und präventive Bemühungen auf „regionalräumlichen, sozio-demographischen und milieubezogenen Besonderheiten“ abzustellen. Eine bundesweite Universalstrategie sei nicht angebracht.

    Die Analyse wurde vom Bundeskriminalamt, Bundesamt für Verfassungsschutz und dem Hessischen Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus erstellt.

    Zum Forschungsbericht

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