Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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DBH-Materialien Nr.75
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Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Gefängnisarchitektur und Resozialisierung?

Die Wahrscheinlichkeit der Begehung einer erneuten Straftat lässt sich beispielsweise durch entsprechende Hilfsangebote und eine angemessene Betreuung der Straftäter und Straftäterinnen in der Haftanstalt reduzieren. Doch welche Wirkungen haben die Gestaltung und Einrichtung der Räumlichkeiten auf die Insassen und ihr Verhalten? Wirkt sich die Architektur von Gefängnisgebäuden auf Insassen in ähnlicher Weise aus, wie die Architektur von Schulen oder Wohnungen auf die Sozialisierung ihrer Schüler oder Bewohner?

In dem Interview betont Isabel Hight die Architektursemiotik auch von Gefängnissen. Schon Clemmer (1940), Goffmann (1961) und Sykes (1958) haben im Rahmen der Deprivationstheorie schon früh darauf hingewiesen, dass die Umgebung des Gefängnisses sich auf die Verhaltensweisen der Insassen auswirkt. Unter den sog. "pains of imprisonment" beschreibt insbesondere Sykes, wie der Gefängnishaufenthalt zu psychischer und sozialer Deprivation führen kann. Beispielsweise zeigen die Studien vom Institut für Kriminologie der Universität zu Köln (www.kriminologie.uni-koeln.de) und des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (www.kfn.de), dass viele Inhaftierte unter Ängsten, Bindungsstörungen und Depressionen leiden.

In einem Gefängnis, in welchem mit einer gezielten Architektur auf die positive Umgebung geachtet wird, führt nicht nur dazu, dass die Beschwerden der Straftäter nachlassen, sondern auch die Anstalt friedlicher wird. Positive Faktoren der architektonischen Gestaltung sind beispielsweise ein Außengelände mit entsprechender Sportanlage, Ausstattung der Zellen, Verwendung von Möbeln aus Holz anstatt aus Plastik oder Metall sowie die Verwendung von Farbe, Glas und Backstein als Materialien zur Gestaltung des Gefängnisses.

Gefängnisse nach dieser Idee, dass durch die Architektur ein positives Umfeld für eine erfolgreichere Resozialisierung geschaffen werden kann, findet man beispielsweise mit der Justizvollzugsanstalt Heidering in Deutschland und in Österreich mit dem Justizzentrum Leoben. Der Grazer Architekt Josef Hohensinn, welcher diese beiden Gefängnisse erbaut hat, ließ sich von dem 10. UN-Menschenrechtsabkommen leiten und motivieren. „Jeder, dem seine Freiheit entzogen ist, muss menschlich und mit Achtung vor der dem Menschen innewohnenden Würde behandelt werden.“ Das norwegische Gefängnis Halden Fengsel gilt als eins der humansten Anstalten weltweit. Die Zellen sind mit Flachbildschirmen ausgestattet, jeder hat sein eigenes Badezimmer und neben einer Sportanlage im Freien bietet das Gefängnis einen Fitnessraum, welcher kostenlos genutzt werden kann. Der norwegische Architekt Erik Møller setzt ebenfalls bei dem Bau seines Gefängnisses auf das Wohlbefinden der Insassen. Die Rückfallrate in Halden Fengsel liegt bei 20%.

Ein aktuelles Interview zur Bedeutung der Gefängnisarchitektur mit Isabel Hight im Guardian

Weitere Informaton:
How to build for success: prison design and infrastructure as a tool for rehabilitation

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