Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

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DBH-Materialien Nr.74
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DBH-Materialien Nr.75
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Übergangsmanagement: Tertiäre Kriminalprävention mit Hilfe standardisierter psycho-sozialer Diagnostik und Interventionsplanung

Das Statistische Bundesamt verzeichnet über 60.000 Gefangene und Verwahrte in deutschen Justizvollzugsanstalten. Etwa 96 Prozent aller Strafgefangenen werden aus der Haft wieder entlassen. Die Freiheitsstrafe, als härteste Sanktionsform des deutschen Strafrechts, weist im Vergleich zu anderen Sanktionsformen die höchste Rückfallquote auf.

Ehemalige Inhaftierte sind nach der Haftentlassung meist mit multiplen Problemlagen, Stigmatisierung sowie Diskriminierung konfrontiert und mit einer selbstständigen Eingliederung in soziale und gesellschaftliche Strukturen häufig überfordert. Die Übergangsphase, zwischen Inhaftierung, Entlassung und Wiedereingliederung, können sehr viele Betroffene nicht erfolgreich bewältigen. Viele von ihnen werden erneut straffällig und oftmals kehren sie in den Strafvollzug zurück. Das Strafvollzugsziel der Resozialisierung wird somit vielfach nicht erreicht.
Gut vernetzte Hilfsangebote und Hilfssysteme, welche eine individuelle, lebenslagenübergreifende, ressourcen- und bedarfsorientierte professionelle Begleitung und Unterstützung in der risikobehafteten Übergangsphase zwischen Inhaftierung, Entlassung und Wiedereingliederung sicherstellen, sind die Ausnahme. Stattdessen gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Handlungsansätzen und Projekten, mit zum Teil nur kurzer Lebensdauer. Dies bemängeln Fachleute aus Theorie und Praxis und fordern eine Weiterentwicklung, Standardisierung und Etablierung des Übergangsmanagements.

Hier setzt der Konzeptionsentwurf "Reso-Map" an:
Ziel des Entwurfes ist die Entwicklung eines evidenzbasierten und standardisierten Instruments der psycho-sozialen Diagnostik für die Soziale Arbeit im Resozialisierungsprozess mit (ehemaligen) Strafgefangenen. Reso-Map soll die Weiterentwicklung, Qualitätssteigerung und Etablierung des Übergangsmanagements im Haftentlassungszusammenhang fördern, auf validen Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis entsprechender Fachbereiche aufbauen und sich an den Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit orientieren.

„Reso-Map“ ist als Orientierungshilfe für die Soziale Arbeit und die inhaftierten Personen zu verstehen. Partizipation und Empowerment sind wesentliche konzeptionelle Bestandteile. Mit Hilfe des Instruments sollen relevante Ressourcen und Bedarfe (bzw. Risiken) systematisch und fallspezifisch erfasst werden können. Das Ausmaß von Teilhabe(-chancen) bzw. (möglichen) Prozessen der Exklusion nach einer Haftentlassung soll somit frühzeitig und weitreichend erkennbar und einer gezielten Bearbeitung zugänglich gemacht werden können. Das Instrument soll eine gezielte, flexible, transparente und phasenspezifische (Zugangs-, Inhaftierungs-, Entlassungsphase) Interventionsplanung und -durchführung unterstützen.

Langfristiges Ziel des Konzeptionsentwurfes ist die erfolgreiche Wiedereingliederung ehemaliger Strafgefangener in soziale und gesellschaftliche Strukturen und ein verantwortungsbewusstes Leben. Diesem Ziel sind die Senkung von Rückfallrisiken und somit der Schutz potentiell künftiger Opfer durchgehend inhärent.

Die Entwicklung eines konkreten Leistungsangebotes bedarf jedoch eines intensiven Kommunikations- und Kooperationsprozesses zwischen Personen und Institutionen aus diversen relevanten Fachbereichen. „Reso-Map“ kann somit nur im Rahmen eines langfristig angelegten Projektes weiterentwickelt und evaluiert werden.

Der Konzeptionsentwurf „Reso-Map“ befindet sich aktuell in einer Projektplanungsphase unter der Trägerschaft des DBH-Fachverbandes e.V. für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik. Der Fachverband plant eine Umsetzung des Konzeptionsentwurfes für die Soziale Arbeit im Jugendstrafvollzug. Neben positiven schriftlichen Stellungnahmen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), bekommt der DBH-Fachverband für sein Vorhaben Zuspruch aus dem wissenschaftlichen Sektor sowie seitens der Sozialen Dienste der Justiz.

Veröffentlichung zum Themenkomplex
Melanie Pracht (2016): "Reso - Map" Tertiäre Kriminalprävention mit Hilfe standardisierter psycho-sozialer Diagnostik und Interventionsplanung. In: Prof. Dr. Frank Como-Zipfel, Dr. Gernot Hahn, Prof. Dr. Helmut Pauls (Hrsg.): „Schriften zur psychosozialen Gesundheit“.
Abrufbar unter:
http://www.zks-verlag.de/katalog/schriften-zur-psycho-sozialen-gesundheit

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