Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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40 Jahre Führungsaufsicht

DBH-Materialien Nr.75
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Veranstaltungen 2017

Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Erfolgreiche Durchführung der DBH-Bundestagung 2015: Im Norden zu neuen Horizonten – Kriminalpolitik gestalten, Inhaftierungen vermeiden, Straffälligenhilfe ausbauen

Der DBH-Fachverband hatte zu seiner 22. Bundestagung ins Ostseebad Damp / Schleswig-Holstein geladen. An der vom 23. - 26.09.2015 andauernden Bundestagung nahmen insgesamt 150 Teilnehmende aus allen Bundesländern regen Anteil. Die Tagungsteilnehmenden kamen – wie auch bei den früheren Bundestagungen - aus Bewährungshilfe, freier Straffälligenhilfe, Strafvollzug, den Landesjustizministerien, der Wissenschaft u.a. Bereichen.
Nach der Eröffnung der Tagung durch den Präsidenten (Professor Cornel) und der Verlesung der Grußworte widmete sich der erste Tag zentralen Themen der Straffälligenhilfe. Zunächst standen Ergebnisse der Evaluation der Bewährungshilfe in Baden-Württemberg (Professor Dölling, Heidelberg) im Mittelpunkt; mit Befunden der Wirkungsforschung zu mehrfachauffälligen jungen Menschen (Professor Bliesener, Hannover) wurde die Vortragsreihe fortgeführt. Der DBH-Präsident referierte zur Verzahnung von staatlichen und freien Trägern und zum Abschluss des ersten Tages stellte sich die Straffälligenhilfe in Schleswig-Holstein dem interessierten Publikum vor (Ralph Döpper).
Am Folgetag wurden insgesamt 13 Workshops zu aktuellen Themen der Straffälligenarbeit angeboten, wobei jeder Tagungsteilnehmende an zwei unterschiedlichen Themen mitwirken konnte.
Der letzte Tagungstag sah dann erstmalig sog. Thementische vor. Bei den angebotenen 10 Thementischen wurde jeweils 30 Minuten über ein ausgewähltes Thema diskutiert. Zum Abschluss der Tagung referierte Michael Fischer (Ministerium für Inneres SH) zur Beobachtung von Dschihadisten und möglichen Auswirkungen für Straffälligenhilfe und Strafvollzug. Die zur Verfügung gestellten Vorträge – in der Regel Powerpoint-Präsentationen - können unter www.dbh-online.de/buta abgerufen werden.
Am Eröffnungstag stellte nach den Grußworten Prof. Dr. Dieter Dölling die umfangreiche „Evaluation der Bewährungshilfe – das Beispiel Baden-Württemberg“ vor und ging dabei auf einige wichtige Aspekte ein. Dabei wurde deutlich, dass die Forderung zur Evaluation der Bewährungshilfe auch in anderen Regionen angebracht ist.
Prof. Dr. Thomas Bliesener, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), ging auf „Kriminalpräventive Ansätze bei mehrfachauffälligen jungen Menschen – Befunde der Wirkungsforschung“ ein. Auch hier spielt die Wirkungsforschung eine wichtige Rolle.
Prof. Dr. Heinz Cornel, DBH-Präsident und an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, arbeitete den sehr wichtigen Resozialisierungsbeitrag der freien Straffälligenhilfe heraus und betonte dabei die Verzahnung von staatlichen und freien Trägern. Anschließend ging Ralph Döpper vom Schleswig-Holsteinischen Verband für soziale Strafrechtspflege, Straffälligenhilfe und Opferhilfe auf die beispielhafte Vernetzung der Straffälligenhilfe in Schleswig-Holstein ein.
Die Workshops befassten sich mit den Themen:
• Privatisierung in der Kriminalpolitik passé?
• Datenaustausch und Datenschutz – Gesetz zur „Stärkung der Bewährungshilfe“? Und wie steht es mit dem Datenschutz bei den freien Trägern?
• Übergangsmanagement in Europa + Entwicklungen in den Probation-Organisationen
• Übergänge und Vernetzung (Übergangsmanagement) und Vorhaben des StrafVollzAuss.
• Gewaltprävention - häusliche Gewalt / Überblick + Standards der bundesweiten Täter-Arbeit
• Einrichtung von forensischen (FA)-Ambulanzen im Rahmen der Reform der FA
• Übertragung von Aufgaben an freie Träger – Möglichkeiten und Grenzen? u.a. Förderrichtlinien SHL
• Restorative Justice / Weiterentwicklung des TOA?
• Opferorientierte Strafrechtspflege / Täter-Opfer-Gespräche / Opfer-Empathie-Training (OET)
• Neue Gesetze und Gesetzentwürfe für Strafvollzug + aSDJ / Berücksichtigung der Menschenrechtsperspektive
• Verhinderung von Ersatzfreiheitsstrafen / Gemeinnützige Arbeit und Standards / Kostenersparnis durch Schwitzen statt Sitzen
• Der Vorrang sozialarbeiterischen Handels in der BwH angesichts von Risikoorientierung und hohen Fallzahlen
• Bewährungshilfe im echten Norden – so läuft es im Gastgeberland
Die Thementische hatten die vorgegebenen aktuellen Problemlagen zum Inhalt:
• Fallzahlen aSDJ – muss sich etwas ändern? Was ist fachlich angebracht?
• Bewährungshilfe und Risiko- Kann sich dem die Soziale Arbeit entziehen?
• „Privatisierung“ – was hat sie gebracht?
• Freie Träger am Gängelband der staatlichen Dienste oder sind diese eine Konkurrenz?
• Opferorientierte Strafrechts-pflege – brauchen wir das auch noch?
• Entlassungs- + Übergangsmanagement – wer soll den Hut aufhaben: JVA, aSDJ oder freie Träger?
• Umschichtung von Finanzmitteln vom stationären zum ambulanten Bereich
• Stalking – was hat die Gesetzgebung gebracht?
• Offenes Thema: Was brennt Ihnen fachlich unter den Nägeln?
Gerade die Thementische fanden besonderen Anklang und wurden auch in der Nachschau von den Teilnehmenden lobend erwähnt. Sie boten die Möglichkeit in kleiner Runde (10 Teilnehmende) offen zu sprechen und dabei die eigenen Erfahrungen, Ansichten und Wünsche in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei war es der Diskussionsbereitschaft der Gruppenmitglieder überlassen, wie und ob auf die einzelnen Beiträge eingegangen wurde. Ein Moderator/eine Moderatorin versuchte den Gesprächsverlauf zu steuern, wobei seine/ihre eigenen Ansichten mehr im Hintergrund stehen sollten.
Die Bundestagung in Damp wurde von den Teilnehmenden insgesamt als positiv bewertet, da sie eine Mischung aus guter Tagungsorganisation und angenehmer Umgebung bot. Das Tagungsprogramm ließ Zeit für Gespräche, die Organisation war gelungen, Unterbringung und Verpflegung waren in räumlicher Nähe. Zudem spielte das Wetter mit: Bei sehr angenehmen Temperaturen und trockener Witterung waren auch kurze Ausflüge an Strand, Hafen oder ins Landesinnere möglich.
Traditionell trafen sich im Anschluss an die Bundestagung die DBH-Mitglieder zur Bundesversammlung, auf der das Präsidium über seine Arbeit Rechenschaft ablegte und die Geschäftsführung und Bereichsleiter/in über die zurückliegende Arbeit berichteten. Das Präsidium wurde von der Versammlung einstimmig entlastet.
Die Versammlung dankt dem langjährigen Präsidenten, Professor Cornel, für sein herausragendes und unermüdliches Wirken für den DBH und verabschiedet ihn mit großem Applaus. Erfreulicherweise bleibt Professor Cornel dem DBH als Fachmann für die DBH-Themen erhalten. Ebenso verabschiedet die Bundesversammlung mit ausdrücklichem Dank und freundlichem Applaus die ausscheidenden Präsidiumsmitglieder Dr. Bernhard Böhm, der mehrere Jahre mit großem Einsatz auch als Vize-Präsident tätig war, Dr. Helmut Roos und Harald Egerer.

Bei den Wahlen zum neuen Präsidium kandidierten:
Als Präsident stellte sich Prof. Dr. Marc Coester, Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, zur Wahl.
Für den Bereich „Praxis staatlicher Straffälligenhilfe“, für den zwei Personen gewählt werden, Ulrike Jensen, Bewährungshelferin, Offenburg und Johannes Sandmann, Abteilungsleiter im Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein, Kiel.
Für den Bereich „Praxis nicht-staatlicher Straffälligenhilfe“, für den zwei Personen gewählt werden, Gabriele Nagel, Geschäftsführerin des Sächsischen Landesverbands für Soziale Rechtspflege, Bautzen und Frank Winter, Leiter des TOA Bremen.
Für den Bereich „Soziale Arbeit und Strafrecht“ Sonja Schmidt, Bewährungshelferin, Kompetenzzentrum der Justiz für ambulante Resozialisierung und Opferhilfe, Saarlouis.
Für den Bereich „Sozial- und Kriminalpolitik“ Matthias Nagel, Leiter der Justizvollzugsanstalt Stuttgart.
Für den Bereich „Einzelmitglieder“ Dr. Martin Kurze, Leiter Kriminologischer Dienst für den hessischen Justizvollzug, H.B. Wagnitz-Seminar, Wiesbaden.
Alle Kandidaten wurden mit großer Mehrheit gewählt, so dass sich das neue Präsidium aus folgenden Personen zusammensetzt:
Präsident: Prof. Dr. Marc Coester
Staatliche Straffälligenhilfe: Ulrike Jensen
Staatliche Straffälligenhilfe: Johannes Sandmann
Nichtstaatliche Straffälligenhilfe: Gabriele Nagel
Nichtstaatliche Straffälligenhilfe: Frank Winter
Soziale Arbeit + Strafrecht: Sonja Schmidt
Sozial- + Kriminalpolitik: Matthias Nagel
Einzelmitglieder: Dr. Martin Kurze
Zusammensetzung des Präsidiums (mit Bildern)
In der Versammlung hat Peter Reckling angekündigt, dass er sich zum 31.03.2016 in den Ruhestand verabschieden wird. Sein Nachfolger, Daniel Wolter, wird zum 01.01.2016 seine Tätigkeit beim DBH-Fachverband aufnehmen. In den ersten drei Monaten des Jahres erfolgt die Übergabe der Geschäftsführung.
Die Bundesversammlung endete sehr einvernehmlich und hat neue Energie für die Aufgaben der kommenden Jahre frei gesetzt.

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