Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
DBH-Materialien Nr.74

40 Jahre Führungsaufsicht

DBH-Materialien Nr.75
DBH-Materialien Nr.75

Veranstaltungen 2017

Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Rückfallpräventive Sozialarbeit – Kontroverse in der Bewährungshilfe

Seit mehreren Jahren gibt es eine Kontroverse zur rückfallpräventiven Sozialarbeit – auch Risikoorientierung – in der Bewährungshilfe. Die Frankfurter Rundschau berichtet "Hessen will die Bewährungshilfe neu ausrichten: Sicherheitskriterien sollen künftig die Intensität der Betreuung bestimmen."
"Manche Bewährungshelfer halten das für eine falsche Entwicklung. Sie wollen nach sozialen und nicht nach Sicherheitskriterien entscheiden und sich jenen Klienten intensiv zuwenden, die das besonders nötig haben – etwa bei der Suche nach Wohnung oder Arbeit. Eine 'verpflichtende risikogeleitete Arbeitsweise' werde 'dem Stellenwert von sozialer Arbeit im Bereich der Justiz nicht gerecht', urteilt Barbara Wederhake von der Gewerkschaft Verdi.
Am Mittwoch werden sie und andere Experten im Landtag gehört, die das Für und Wider erörtern. Die SPD hatte den Antrag dazu gestellt. Befürworter des neuen Systems weisen darauf hin, dass es schon seit Jahren in anderen Bundesländern angewandt werde, ohne dass darunter die Arbeit der Bewährungshelfer gelitten habe.
So betont Professor Wolfgang Klug von der Katholischen Universität Eichstätt, Bewährungshelfer seien für Hilfe und Kontrolle zuständig. Man dürfe beide Anforderungen nicht gegeneinander ausspielen. Auch Holger Scharf, Leiter der Gießener Bewährungshilfe, spricht von einem 'klassischen Doppelmandat' der Bewährungshelfer, das sowohl Hilfe als auch Kontrolle erfordere.
Niedersachsen hat vor fast zehn Jahren umgesteuert. Das Land stützt sich auf das von Professor Klug erarbeitete Modell, das Risikoprognosen mit einbezieht. Stefan Bock vom Ambulanten Justizsozialdienst Niedersachsen warnt vor der 'naiven Vision' von Sozialarbeitern, die in den 70er und 80er Jahren ausgebildet wurden, dass Straftäter allein durch Freizeitmaßnahmen und Arbeitsqualifizierung zu behandeln seien. 'Leider haben sich die hohen Erwartungen zu diesen sozialintegrativen Konzepten aus dieser Zeit dann jedoch in der kriminologischen Forschung als nicht tragfähig erwiesen', stellt Bock fest.
Der Darmstädter Bewährungshelfer Andreas Nixdorff fügt hinzu, dass es auch in Hessen seit 2008 gute Erfahrungen mit einer intensiven Betreuung von Delinquenten gebe, die als besonders gefährlich gelten – nämlich mit Sexualstraftätern.
Die Landesarbeitsgemeinschaft hessischer Bewährungshelfer wendet sich aber dagegen, das Prinzip zu verallgemeinern. Ihr Vorsitzender Thomas Stiefel fürchtet die 'extrem aufwändige Einsortierung von ProbandInnen' und den erheblichen Dokumentationsaufwand. Dadurch würden Ressourcen gebunden, 'die dann für die eigentliche Unterstützungsarbeit fehlen', beklagt Thomas Stiefel. So würde 'grob fahrlässig' der Aufbau einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung erschwert." aus
Frankfurter Rundschau, 30.11.15

Start Seitenanfang Kontakt AGB Impressum