Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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40 Jahre Führungsaufsicht

DBH-Materialien Nr.75
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Veranstaltungen 2017

Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Horst Schüler-Springorum ist verstorben

Prof. Dr. Horst Schüler-Springorum ist am 05.09.2015 kurz vor seinem 87. Geburtstag in München verstorben. Er lehrte an den Universitäten Hamburg, Göttingen und zuletzt München, wo er den Lehrstuhl für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug an der Ludwig-Maximilian-Universität innehatte. In der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V. (DVJJ) wirkte er zwischen 1962 und 1968 als Geschäftsführer, und dann bis 1986 als Vorsitzender.

Er war jahrzehntelang Mitglied in der Kriminologischen Gesellschaft (KrimG) und Träger der Beccaria-Medaille in Gold, verliehen im Jahr 1987 von der Deutschen Kriminologischen Gesellschaft, die sich 1988 in Frankfurt am Main mit der Gesellschaft für die gesamte Kriminologie zur Neuen Kriminologischen Gesellschaft vereinigt hatte. Er war später Mitglied im Beccaria-Wahlausschuss der KrimG geworden, in dem er bis zuletzt aktiv blieb. Er hat die Ideen und Ziele der Gesellschaft vielfach in nationalen, europäischen und internationalen Zusammenhängen vertreten und gefördert.
Er habilitierte sich 1967 für die Fächer Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie an der Universität Hamburg. Seine Habilitationsschrift über die Rechtsstellung der Gefangenen wurde in ausgearbeiteter Fassung unter dem Titel „Strafvollzug im Übergang. Studien zum Stand der Vollzugsrechtslehre“ veröffentlicht (erschienen 1969 bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen) Sie war nicht nur wissenschaftlich bedeutsam, sondern beeinflusste auch wesentlich die Strafvollzugsgesetzgebung der 1960er und 1970er Jahre. Zentrale Gedanken und Anliegen seiner Reformvorstellungen konnte er zudem als Mitglied der Strafvollzugskommission der Bundesregierung (1968 ff.) einbringen; am erfolgreichen Ende wurde 1976 das (erste deutsche) Strafvollzugsgesetz verabschiedet. Zu seinem 65. Geburtstag im Jahr 1993 widmeten ihm seine Schüler, Kollegen und Freunde eine umfangreiche Festschrift mit Beiträgen zu allen seinen wesentlichen Forschungsgebieten (herausgegeben von Peter-Alexis Albrecht und anderen, Heymanns Verlag Köln).
Horst Schüler-Springorum war über das bisher Genannte hinaus in vielen Vereinigungen und Gremien sehr aktiv und einflussreich. Dafür nur Beispiele:
Bis zuletzt war er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtreform. (Heymanns Verlag Köln)
In der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V. (DVJJ) war er als Geschäftsführer, und dann bis 1986 als Vorsitzender tätig.
Er war Mitglied einer Projektgruppe des Deutschen Jugendinstituts für das BMFSFJ zum Thema „Privatschulen und Gruppenerziehung zwischen Schule, Kinder- und Jugendhilfe und Justiz. Ein neues Angebot für schwierige Jugendliche?“ (2000-2001), bei dem es zentral um die Frage der Übertragbarkeit der Konzepte der Glenn Mills Schools in den USA auf die deutsche Situation des Umgangs mit gefährdeten bzw. straffälligen Jugendlichen ging; seine persönliche Position verdeutlichte er in einem Beitrag zur Festschrift für Udo Jesionek (2002, S. 205-220).
Er war Berater der Vereinten Nationen vor allem in Fragen der Jugendgerichtsbarkeit und des Jugendstrafvollzuges. Von den internationalen Instrumenten, die er mit beeinflusste, seien die „United Nations Standard Minimum Rules for the Administration of Juvenile Justice“, die sog. Beijing-Rules, vom 29. November 1985, besonders hervorgehoben; dazu gibt es aus seiner Feder auch einen instruktiven Beitrag in der Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft (ZStW 99, 1987, Heft 4, S. 809-844).
Er war ständiges Mitglied des „Arbeitskreises deutscher und schweizerischer Strafrechtslehrer“, in der alltäglichen Kommunikation besser bekannt unter dem Kurztitel „Alternativprofessoren“, weil ihr vor allem für die deutsche Rechtspolitik sehr einflussreiches Wirken durch die sog. „Alternativ-Entwürfe“ zu (erhofften) neuen und modernen Gesetzen gekennzeichnet war. Als Mitautor fungiert er in 11 von 12 Entwürfen (bzw. 16 Bänden), wobei Vieles daraus derzeit erneut rechtspolitisch aktuelle Relevanz hat. Die Gegenstände der von ihm mit verfassten „AE“ in zeitlicher Reihenfolge ihres Erscheinens, und nur in Stichworten: Strafgesetzbuch V, 1971; Strafvollzugsgesetz, 1973; Strafverfahren mit nichtöffentlicher Hauptverhandlung, 1980; Reform der Hauptverhandlung, 1985; Gesetz über Sterbehilfe, 1986; Wiedergutmachung, 1992 mit Übersetzungen ins Spanische und Japanische; Zeugnisverweigerungsrechte und Beschlagnahmefreiheit, 1996; Reform des Ermittlungsverfahrens, 2001; Strafjustiz und Medien, 2004; Leben, 2008.
Aus seinen vielen Schriften zur Jugendkriminalität und zu einem humanen und rationalen Umgang von Staat und Gesellschaft mit auffälligen, devianten bzw. straffälligen jungen Menschen seien beispielhaft einige wenige frühe Werke genannt, die bis heute aktuellen Themen gewidmet waren: „Sozial auffällige Jugendliche“ (1964); „Mehrfachauffällige. Untersuchungen zur Jugendkriminalität“ (1982, zusammen mit Siegfried Lamnek und Wolfgang Ludwig); „Jugendstrafe and Vierzehn- und Fünfzehnjährigen“ (1983, zusammen mit Peter-Alexis Albrecht); „Jugend und Kriminalität. Kriminologische Beiträge zur kriminalpolitischen Diskussion“(1983, zweite Auflage 1995).
Was ihn bei seinen steten rechtspolitischen und kriminalpolitischen Bemühungen im Kern umtrieb, kommt sehr schön im Titel seines im Jahr 1991 bei Suhrkamp in Frankfurt erschienen Buches zum Ausdruck, der da lautet: „Kriminalpolitik für Menschen“! (Alle Informationen übernommen aus einer Mitteilung der Kriminologischen Gesellschaft, 05.09.2015)
Rüttler an den Gittern, SZ 11.09.15 (Bilddarstellung aus der Süddeutschen Zeitung)

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