Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

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DBH-Materialien Nr.74
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Ergebnisse des Forschungsprojekts zur Evaluierung des Hessischen Jugendstrafvollzugs - Entlassungsjahrgang 2009 und Inhaftierungsjahrgang April 2009 – Mai 2010

Eine Forschergruppe der Universitäten Tübingen und Marburg haben die Kernergebnisse des Forschungsprojekts zur Evaluierung des Hessischen Jugendstrafvollzugs anhand des Entlassungsjahrgangs 2009 und des Inhaftierungsjahrgangs April 2009 – Mai 2010 veröffentlicht.
Mit Inkrafttreten des Hessischen Jugendstrafvollzugsgesetzes am 01.01.2008 wurde die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie der Philipps-Universität Marburg unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich Wagner und die Arbeitsgruppe am Institut für Kriminologie der Eberhard Karls Universität Tübingen unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Jürgen Kerner gebeten, mit geeigneten Methoden der Prozess- und Ergebnisevaluation die Wirksamkeit der mit dem Gesetz einhergehenden ersten Veränderungen zu dokumentieren. Grundlage dafür war die im neuen Gesetz verankerte Festschreibung kriminologischer Begleitforschung zur Fortentwicklung des Jugendvollzugs (HessJStVollzG §66).
Die vorliegende Evaluation enthielt einen qualitativ und einen quantitativ ausgerichteten Teil.
Der qualitative Teil wurde vom Marburger Team bearbeitet. Er enthielt eine umfangreiche Befragung von inhaftierten jungen Männern aus dem Jugendvollzug am Anfang und am Ende der Haft. Anhand dieser Stichprobe wurde untersucht,
• wie sich die Haft auf die Einstellungen und Persönlichkeit der Inhaftierten auswirkte,
• welche Wirkung die Maßnahmen, die während der Haft durchgeführt wurden, auf die Inhaftierten hatten, und
• welche Bedeutung die Einstellung der Probanden am Ende der Haft und die durchgeführten Maßnahmen für die Legalbewährung im ersten Jahr nach der Entlassung hatten.
Der quantitative Teil wurde vom Tübinger Team bearbeitet. Dabei ging es um die Evaluation des hessischen Jugendvollzugs anhand einer Aktenuntersuchung der Bundeszentralregisterauszüge und der VG-Formblätter der JVA Rockenberg und der JVA Wiesbaden. Dazu wurden die Einträge des kompletten Entlassungsjahrgangs 2009 des hessischen Jugendvollzugs herangezogen.
Analysiert wurde die Rückfälligkeit in den ersten drei Jahren nach der Entlassung. Aus einer Vorläuferstudie lagen dazu Vergleichsdaten des Entlassungsjahrgangs 2003 und 2006 des hessischen Jugendvollzugs vor.
Abschließend kommen Sie zu folgenden Aussagen:
"Zur Ermittlung besonderer Bedingungen für Rückfall einerseits oder Ausstieg aus der kriminellen Karriere andererseits wurden vom Marburger Team schließlich in einer qualitativen Zusatzanalyse mit Extremgruppen zehn Aussteiger und zehn Rückfällige im Abstand von mindestens einem Jahr seit der Entlassung erneut interviewt. Der Extremgruppenvergleich belegte, dass sich Aussteiger und Rückfällige insbesondere hinsichtlich der Reintegration in Schule und/oder Beruf unterschieden. So hatten Aussteiger beispielsweise im Vergleich zu Rückfälligen häufiger nach der Entlassung eine Schul- oder Berufsausbildung begonnen und, ganz besonders bedeutsam, auch häufiger einen entsprechenden Abschluss erreicht. Dies belegt den hohen Stellenwert des Bereichs der nachholenden Schulbildung und Berufsausbildung für die Legalbewährung der jungen Haftentlassenen.
Die Ergebnisse der ersten Prozess- und Ergebnisevaluation stimmen optimistisch in Bezug auf die angestrebte Wirksamkeit der im Rahmen des hessischen Jugendstrafvollzugsgesetzes neu eingeführten Maßnahmen. Methodisch ist allerdings zu bemerken, dass dieses Jugendstrafvollzugsgesetz von 2008 einschließlich seiner verschiedenen seitherigen Novellierungen bei den hier untersuchten Stichproben aus wissenschaftlicher wie aus vollzugspraktischer Sicht sein Wirkungspotential definitiv noch nicht voll hat entfalten können. Ein höheres Maß an Sicherheit wird man erlangen, wenn die Wirksamkeit erneut evaluiert wird, nachdem die neu eingeführten Maßnahmen in vollem Maße umgesetzt sind."
Mitteilung über Kernergebnisse des Forschungsprojekts zur Evaluierung des Hessischen Jugendstrafvollzugs anhand des Entlassungs-jahrgangs 2009 und des Inhaftierungsjahrgangs April 2009 – Mai 2010 (Universitäten Tübingen und Marburg)

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