Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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40 Jahre Führungsaufsicht

DBH-Materialien Nr.75
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Veranstaltungen 2017

Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Bewährungshilfe im Umbruch - Tagungsbericht aus Mannheim

Der neu gegründete Fachverband Bewährungshilfe Baden-Württemberg veranstaltete am 19.01.2012 in Mannheim seine erste Fachtagung. Unter der Überschrift „Bewährungshilfe im Umbruch“ ging es den Veranstaltern darum, Entwicklungen, Trends und Perspektiven in Deutschland aufzuzeigen. "Die Veranstaltung fand große Resonanz und war sogar von überregionalem Interesse seitens der Praktiker aus der Bewährungs- und Gerichtshilfe (weit über 100 Gäste). Der Verlauf der Veranstaltung hat gezeigt, dass diese Fachtagung vom Fachverband für Bewährungshilfe eine wichtige Tagung zum richtigen Zeitpunkt war, denn gerade in Baden-Württemberg hat das konfliktbeladene Thema aktuellen Bezug. Als einziges Bundesland der Bundesrepublik Deutschland wird Bewährungs- und Gerichtshilfe in Baden-Württemberg bekanntlich von einem privaten Betreiber praktiziert und die neue Landesregierung will diese Praxis überprüfen. In einem Grußwort verwies Ministerialdirektorin des Justizministeriums Baden-Württemberg Bettina Limpach darauf, dass die Qualitäts- und Managementstrukturen innerhalb der Bewährungs- und Gerichtshilfe immer noch im Umbruch seien und sich derzeit aufgrund Beschlusses der Landesregierung in einem umfassenden und ergebnisoffenen Evaluationsprozess befinden.
Die Teilnehmer der Fachtagung hatten Gelegenheit, in ausführlichen Referaten die verschieden ausgestalteten sozialen Dienste der Justiz - Bewährungshilfe (BH), Gerichtshilfe (GH) und Führungsaufsichtsstellen (FA) - in anderen Bundesländern zu beleuchten. Peter Reckling, Bundesgeschäftsführer des DBH-Fachverbandes für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik, gab einen globalen Überblick auf Bundesebene und führte aus, dass der Bundestrend in Richtung einheitlicher sozialer Dienste der Justiz gehe mit Risikomanagement als Standard, verbindlichen Standards in der sozialen Arbeit der Justiz und Akzeptanz von verantwortlichen hierarchischen Strukturen.
Der Referent Helmut Hippenstiel, Leiter der ambulanten sozialen Dienste beim Landgericht Siegen, führte hinsichtlich der Arbeitsweise der Bewährungshilfe in Nordrhein-Westfalen aus, dass auch dort der ambulante soziale Dienst der Justiz NRW eine Neukonstruktion ist, bei der die Bewährungs- und Gerichtshilfe sowie die Führungsaufsichtsstellen zusammengeführt und Leitungsfunktionen mit klar definierten Standards seit Jahren gut etabliert sind. Klar positionierte sich der Referent hinsichtlich berufspolitischer Forderungen, wonach ehrenamtliche Bewährungshilfe in NRW eher eine untergeordnete Rolle spiele. Frauke Harms, Sachgebietsleitung Soziale Dienste beim OLG Oldenburg, referierte über die Bewährungshilfe Niedersachsen, die dort eine eigene Behörde beim OLG inne hat. Auch in diesem großen Flächenland haben sich neue Strukturen etabliert und in elf Bezirken ist ein einheitlicher Sozialdienst der Justiz aus BH, GH und FA als ambulanter Justizsozialdienst mit guten Arbeitsbedingungen entstanden.
Prof. Dr. Heinz Cornel, Prof. für Jugendrecht, Strafrecht und Kriminologie an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin (und Vorsitzender der vom Justizministerium Brandenburg einberufenen Kommission zur Erarbeitung eines neuen Resozialisierungsgesetzes), konnte profunde Aussagen hinsichtlich der neuen Wege, die Brandenburg mit einem Resozialisierungsgesetz beschreiten will, machen. Der Ansatz dieses Gesetzes ist ambitioniert und eindeutig an Klienten und Probanden orientiert. Der Entwurf sieht vor, dass - ausgehend von weiter sinkenden Haftzahlen - in Brandenburg künftig bei jeder Inhaftierung der Sozialdienst der Justiz (auch hier ein einheitlicher Dienst aus BF, GH und FA ) eingeschaltet werden soll. Vor einer bedingten Entlassung sollen diesem Entwurf zufolge Gefangene in sogenannten Übergangshäusern intensiv auf die Entlassung vorbereitet werden, wobei gerade die Kommunen bei diesem Integrationsprozess stärker eingebunden werden sollen. Überhaupt hat dieser ambitionierte und engagierte Entwurf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Resozialisierung im Fokus.
Diese wichtige Tagung konnte Trends und bereits etablierte Arbeits- und Organisationsstrukturen der Bewährungs- und Gerichtshilfe aufzeigen. Die Fachbeiträge zu dieser Fachtagung können auf der Internetseite des Fachverbandes Bewährungshilfe Baden-Württemberg eingesehen werden." (Aus dem Kurzbrief des Badischen Landesverbandes, März 2012)
Die Präsentationen der Referenten können eingesehen werden unter: Rückblick auf die Fachtagung am 19.01.2012
Der Baden-Württembergische Verband ist Mitglied im DBH-Fachverband.

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