Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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DBH-Materialien Nr.75
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DBH-Projekt: Übergangsmanagement für junge Menschen vom Jugendstrafvollzug in ein eigenständiges Leben - Problemfelder und beispielhafte Ansätze

Am 01.10.2009 startete beim DBH-Fachverband das Projekt „Strategien und Methoden des Übergangsmanagements für Jugendliche und junge Erwachsene vom Strafvollzug in den Arbeitsmarkt und in ein eigenständiges Leben – Problemfelder und Know-how-Transfer beispielhafter Ansätze“. Es wird von der Aktion Mensch im Bereich „Kinder- und Jugendhilfe“ und der Robert-Bosch-Stiftung bis zum 30.09.2012 geördert und in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut e.V. (DJI) München/Halle (Saale), Forschungsschwerpunkt „Übergänge im Jugendalter“, durchgeführt.
Die Konzeption des Projekts gründet sich auf dem seitens der Fachexperten der ambulanten und stationären Resozialisierung und anderer relevanter Institutionen der Jugendstrafrechtspflege festgestellten großen Bedarf an einem systematischen Austausch über bisher eher marginal vorhandene wirksame Ansätze eines kooperativen Managements der Übergänge vom Jugendstrafvollzug in ein Leben in Freiheit und insbesondere in Ausbildung und Arbeit. Die stark ausdifferenzierte und schwer überschaubar gewordene Vielfalt von Zuständigkeiten bei der Eingliederung nach der Entlassung hat zur Folge, dass zwischen den involvierten Institutionen, Behörden, Vereinen usw. immer neue Schnittstellenprobleme entstehen. Gemeinsame Instrumente der Diagnose, Prognose, Dokumentation, des Controlling sowie die Einbindung der strafentlassenen Jugendlichen in das Gemeinwesen sind die Ausnahme. Es gibt weder ein Gesamtkonzept der Verzahnung der ambulanten und stationären Maßnahmen für eine integrierte Resozialisierung noch einen ausgewiesenen Ort, an dem Informationen über erfolgreiche Lösungen identifiziert und für die Nachnutzung aufbereitet oder auch Probleme bei der praktischen Umsetzung des Übergangsmanagements benannt werden. Diesen Ort zu schaffen, an dem sich Fachkräfte und Verantwortungsträger umfassend über erfolgreiche, aber auch über defizitäre Nachbetreuung informieren können, ist Anliegen des Vorhabens im Sinne eines angemahnten grundlegenden Innovationsbedarfs auf dem weiten Feld der sozialen und beruflichen Integration straffällig gewordener Jugendlicher und junger Erwachsener.
In Ergänzung zu den in verschiedenen Bundesländern regelmäßig vom DBH-Fachverband veranstalteten und dokumentierten Weiterbildungsveranstaltungen zu ausgewählten, aktuellen Themen der Straffälligenhilfe ist im Sinne der Projektzielstellung eine systematische Zusammenstellung erfolgreicher Problemlösungen zum Übergangsmanagement geplant, die in einen Informationspool einfließen und so über die Gruppe der Teilnehmer/innen hinaus von Fachkräften in diesem Feld genutzt werden kann. Eine gezielte Analyse und Kommunikation problematischer Übergangspraktiken findet bisher keine entsprechende Reflexion. Die Benennung, Dokumentation und Diskussion der Problemfelder zwischen Vollzug und Jugendhilfe soll aus diesem Grunde in einem Modul der Weiterbildung angeboten werden.
Das geplante Informationsangebot richtet sich an die relevanten Akteure in allen Bundesländern. Die Fachkräfte in den Orten mit Strafvollzugseinrichtungen, wo jugendliche und junge erwachsene männliche und weibliche Straftäter am Ende ihrer Inhaftierung bzw. nach ihrer Haftentlassung eines professionellen, zwischen allen einbezogenen Akteuren abgestimmten Übergangsmanagements bedürfen, aber besonders in den "sozialen Empfangsräumen", in denen die jugendlichen Strafentlassenen einen Neuanfang starten müssen, sollen in einen Erfahrungsaustausch treten.
Adressaten des Vorhabens sind:
• sozialpädagogische Fachkräfte in den Strafvollzugsanstalten, in denen sich jugendliche bzw. junge erwachsene Inhaftierte befinden
• ambulante und stationäre Dienste der Straffälligenhilfe
• freie Träger der Straffälligenhilfe, die Jugendgerichtshilfe sowie die Bewährungshilfe
• Fachkräfte freier Träger der Jugendhilfe
• Verantwortungsträger in den Justizministerien – der Länder und des Bundes –, in den Arbeitsagenturen und bei den Trägern für Grundsicherung, in kommunalen Ämtern, in den Kammern
• Verantwortungsträger in Therapieeinrichtungen, in den Vereinen für Resozialisierung, in Organisationen für Migrantinnen/Migranten
• ehrenamtlich in der Straffälligen- und Bewährungshilfe tätige Akteure, die sich beim Übergangsmanagement von strafentlassenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen engagieren
• in der Gemeinwesenarbeit tätige Bürger/innen, zu deren Zielgruppe strafentlassene Jugendliche und junge Erwachsene gehören.

Das Projekt verfolgt zwei Hauptziele:
• Entwicklung von Verfahren zur Sammlung, Aufbereitung und zum Transfer von Wissen über bereits wirksame und bewährte Lösungen beim Übergangsmanagement vom Strafvollzug in Ausbildung, Arbeit und ein eigenständiges Leben der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Freiheit
• Benennung und Darstellung von Problemfeldern und -lagen zwischen (Jugend-)Strafvollzug und öffentlicher und freier Jugendhilfe

Teilziele:
1. In Workshops zur Problematik der Übergänge Benennung der Problemfelder und Analyse für die Problemdiagnose; Dokumentation von Vorschlägen zur besseren Regelung und Aufbereitung für die Praxis;
2. Identifizierung wirksamer Lösungen und Begutachtung durch Expertinnen und Experten, systematische Aufbereitung und Dokumentation für die Präsentation in der Good-Practice-Datenbank des Deutschen Jugendinstituts "Datenbank SINTEGRA – Übergangsmanagement", die über die DBH-Internetseite zugänglich ist;
3. Bereitstellung von Informationen zur Entwicklung und Umsetzung differenzierter Strategien für ein kooperatives Übergangsmanagement durch Fachkräfte und Verantwortungsträger in diesem Feld sowie Entwicklung und Umsetzung eines Konzepts für die Integration von Erfahrungen und Wissen über wirksame Lösungen in diesem Feld in die Fach- und Fortbildungsveranstaltungen des DBH-Fachverbands;
4. Aufbau eines Netzwerks von Experten, das Standards und Problemlösungen im Bereich des Übergangsmanagements erarbeitet, die in einem Handbuch als Arbeits- und Qualifizierungsmaterial für die praktische Arbeit in der Straffälligenhilfe und der Resozialisierung münden.

Aktivitäten und Methoden:
Entsprechend der unterschiedlichen Bedarfe und spezifischen Anforderungen der einzelnen Nutzergruppen sollen verschiedene Medien für den Know-how-Transfer erstellt und zugänglich gemacht werden:
• Identifizierung, Evaluierung und Dokumentation gängiger Praxis des Übergangsmanagements mittels leitfadengestützter Interviews bei Besuchen vor Ort durch die Projektbearbeiterin und fachkundige Korrespondent/innen;
• Schaffung einer Möglichkeit zur Recherche über eine internetgestützte Praxisdatenbank, in der Informationen über ausgewählte und dokumentierte Praxisprojekte abrufbar sind, sowie die Publikation einer systematischen Darstellung von bewährten Konzepten eines gelungenen Übergangsmanagements, aber auch die Benennung von Problemfeldern beim Zusammenwirken von Vollzug und Jugendhilfe, die in Vorschlägen zur besseren Regelung des Übergangsmanagements münden;
• DBH-Workshops/Fachtagungen unter maßgeblicher Einbeziehung von Expertinnen/Experten aus dem Fachbereich zu Schwerpunkten der Integrationsarbeit und des Übergangsmanagements mit Qualifizierungsangeboten für das Fachpersonal in modularer Form; Ermittlung von Schwerpunktthemen anhand praxisbezogener Bedarfe durch Nachfrage und Feedback;
• als Ergebnis dieser Fachtagungen und Multiplikatorenschulungen Bildung eines länderübergreifenden Netzwerks, deren Mitglieder Qualifizierungsarbeit leisten, indem sie jeweils zur Bildung von Standards beitragen und im Sinne von Impulsgebung ähnlich gelagerte Resozialisierungsansätze unterstützen;
• zur Lösung von Problemstellungen Erarbeitung von Qualitätsstandards als Synthese aus den in den verschiedenen (Jugend-)Strafvollvollzugsanstalten und Nachbetreuungseinrichtungen praktizierten Methoden und Strategien für eine gute Praxis sowie Analyse/Problemdiagnose von erfolgloser/problematischer Praxis des Übergangsmanagements; Zusammenstellung in einem Handbuch (in Form einer Toolbox);
• Gründung eines Fachbeirats aus Experten des Strafvollzugs, der sozialen Strafrechtspflege, der Jugendbewährungs- und Jugendgerichtshilfe sowie der Praxis-/Jugendforschung zum Übergangsmanagement zur fachlichen Beratung und Begleitung des Projekts, zur Förderung der Integration der verschiedenen Dienste, wie Justizvollzug, Jugendhilfe, justizielle Nachbetreuung u. a.; Analyse der Problemfelder und struktureller Probleme; Empfehlungen für die Praxis.

Nachhaltigkeit:
Eine permanente Öffentlichkeitsarbeit ist Teil des geplanten Vorhabens, das von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. So soll die Internet-Datenbank SINTEGRA mit den dokumentierten Beispielen guter Praxis des Übergangsmanagements junger Inhaftierter vom Strafvollzug in das Arbeitsleben über die Förderperiode hinaus zu einem fest etablierten Arbeitsinstrument, zu einem leicht zugänglichen Informationspool für Fachkräfte in der Straffälligenhilfe, an der Schnittstelle zwischen Strafvollzug und Bewährungshilfe, Jugendsozialarbeit, vor allem der Jugendberufshilfe, entsprechend der Zielstellung des Vorhabens werden. Durch die Implementierung der Datenbank im Datenbanksystem des DJI ist ein Zugriff ohne Zeitbegrenzung gewährleistet. Sie steht auch über das Projektende hinaus auf der Homepage des DBH und den Websites des DJI zu Recherchezwecken und zur Nachnutzung an anderen Orten, in anderen Regionen für dieselben Zielgruppen bereit.
Die geplante Handreichung für ein gelingendes Übergangsmanagement vom Jugendstrafvollzug in das Leben in Freiheit mit Berufsausbildung oder Arbeit sollte auch über die Förderperiode hinaus die Funktion einer praktischen Arbeitshilfe für die in die Resozialisierungskette involvierten Fachkräfte erfüllen. Die während der Projektzeit entwickelten Qualitätsstandards für die Übergangsphase und als Resultate der modularen Weiterbildung könnten langfristig als methodische Lehr- und Arbeitsmittel des qualifizierten Übergangsmanagements explizit zur sozialen und beruflichen Integration von straffällig gewordenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt werden.
Während der Projektlaufzeit entstandene Kommunikations- und Vernetzungsstrukturen sowie der fachliche Informations- und Erfahrungsaustausch bzw. -diskurs zwischen den Akteuren und Verantwortungsträgern der Straffälligenhilfe sollten ebenfalls nach Projektende ihre Fortsetzung finden.
An dieser Stelle seien alle Akteure, die sich beim Übergang Jugendlicher und junger Erwachsener vom Strafvollzug zur Nachbetreuung engagieren, aufgerufen, sich aktiv mit Vorschlägen an diesem DBH-Projekt zu beteiligen, um einen erfolgreichen Verlauf zu gewährleisten.
Kontakt: eMail senden
DBH-Übergangsmanagement: Projekt-Flyer

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