Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
DBH-Materialien Nr.74

40 Jahre Führungsaufsicht

DBH-Materialien Nr.75
DBH-Materialien Nr.75

Veranstaltungen 2017

Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Wieviel Kriminalität braucht die Gesellschaft? Nils Christie im Gespräch

Die Frage nach dem Sinn des Gefängnis wird heute selten gestellt, eher die Frage nach einer Strafverschärfung wird immer wieder aufgeworfen. Einige Kriminologen jedoch warnen vor den Gefahren der Institution "Gefängnis", wie Nils Christie, der unlängst auf der DBH-Bundestagung einen sehr interessanten Vortrag hielt.
Nils Christie, mittlerweile 80-jährig, war Kriminologe an der Juristischen Fakultät der Universität Oslo. Er gehört zu den einflussreichsten Denkern der "Kritischen Kriminologie". Als junger Mensch erlebte Christie die Besetzung Norwegens durch die Deutschen und untersuchte später als Forscher, das Verhalten norwegischer Aufseher in deutschen KZs. 1952 erschien seine Studie über KZ-Wärter, die Gefangene misshandelt oder getötet hatten. Seither publizierte Christie zahlreiche Bücher zum Problem der Strafe und über die Institution Gefängnis. Auch auf Deutsch erschien seine sehr bekannte Studie „Wie viel Kriminalität braucht die Gesellschaft?“.
In einem Interview des Rheinischen Merkur führt Christie aus, wie wichtig soziale Bindungen sind, wenn es darum geht, Gewalttaten und viele andere Verbrechen zu verhindern. Wer sich nicht gebunden weiß, fühlt sich nicht verantwortlich. Auch deshalb hält Christie das Gefängnis für eine gefährliche Institution. Stattdessen setzt er auf Streitschlichtung, Mediation, Täter-Opfer-Ausgleich und andere Formen der Konfliktlösung.
Rheinischer Merkur, 08.10.09

Start Seitenanfang Kontakt AGB Impressum