Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

Dokumentation 22. DBH-Bundestagung

DBH-Materialien Nr.74
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DBH-Materialien Nr.75
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Fortbildungskalender DBH-Bildungswerk 2017 erschienen

Entstehung und Verlauf der Jugendkriminalität - Ergebnisse einer kriminologischen Langzeituntersuchung

Warum werden Jugendliche straffällig? Prof. Dr. Klaus Boers, Kriminologe an der Universität Münster, und Prof. Dr. Jost Reinecke, Soziologe an der Universität Bielefeld, gehen dieser Frage mit einer in Deutschland einmaligen kriminologischen Verlaufsuntersuchung nach.
Es wurden seit 2002 dieselben 3.400 Duisburger Jugendlichen zwischen ihrem 13. und bislang 19. Lebensjahr jedes Jahr befragt. Die Untersuchung soll bis zum 30. Lebensjahr fortgesetzt werden.
Die jetzt vorgestellten Ergebnisse beziehen sich auf das Dunkelfeld der Jugendkriminalität. Hier geht es also nicht um das Anzeigeverhalten, sondern die dirkte Befragung der Jugendlichen nach den von ihnen begangenen Taten. Da nur die wenigsten Taten bei der Polizei angezeigt werden, ist das Dunkelfeld erheblich größer als das polizeilich bekannte Hellfeld. Insgesamt wurde nach 15 Taten gefragt: vom Ladendiebstahl bis zum Raub. Drei Fünftel der befragten Jugendlichen haben bis zum 17. Lebensjahr schon mindestens einmal eine dieser Taten begangen. Gewaltdelikte (Körperverletzungen und Raubdelikte) werden mit knapp einem Drittel seltener genannt. „In der Jugendphase sind leichte und mittlere Straftaten nicht ungewöhnlich. Bei den meisten Jugendlichen geht es um das Ausprobieren von Grenzen und sie lernen dadurch die Geltung von Regeln und Normen“, so Reinecke.
Im Altersverlauf geht die Kri-minalität deshalb bei allen Deliktsarten nach einem steilen Anstieg gegen Ende des Kindesalters auch schon im Jugendalter wieder deutlich zurück. Bemerkenswert ist, dass nach den Dunkelfelduntersuchungen die höchste Kriminalitätsbelastung früher als bislang angenommen liegt und der Kriminalitätsrückgang bereits im 15. Lebensjahr einsetzt. Die meisten Jugendlichen begehen nur ein bis zwei Taten, davon ein geringerer Teil drei Taten, und davon wiederum nur ein Teil vier Taten: „Der allergrößte Teil der Jugendkriminalität regelt sich aufgrund von angemessenen Reaktionen in den Familien und Schulen von selbst“, so die Wissenschaftler.
Eher problematisch sind jugendliche Intensivtäter mit fünf und mehr Gewaltdelikten pro Jahr. Diese Gruppe ist mit ca. fünf Prozent zwar klein, berichtet aber die Hälfte aller Taten und den größten Teil der Gewaltdelikte. Allerdings geht auch deren Anteil früher als bislang angenommen nämlich bereits ab dem 16. Lebensjahr wieder deutlich zurück.
Entstehung und Verlauf der Jugendkriminalität

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